Was ist Gestalttherapie? (Fortsetzung)

Die Prinzipien der Gestalttherapie:
 
Leib – Seele – Geist -  Einheit:
Diese drei Bereiche der menschlichen Existenz sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen einander ständig in einem wechselseitigen Prozess. Die Ganzheit äußert sich zum Beispiel darin, dass jede körperliche Aktivität immer auch Veränderungen psychischer und kognitiver Art bewirkt. Psychische Störungen wiederum haben oft Auswirkungen im körperlichen Bereich und beeinträchtigen auch die Denkfähigkeit.
 
Hier und Jetzt:
Die Gestalttherapie geht immer von dem konkret Vorhandenen aus. Für die Therapie bedeutet das, dass immer nur das aktuell gezeigte Verhalten des Klienten als Anhaltspunkt dient: In diesem >jetzigen< Verhalten wird zugleich alles an Vergangenheit (Erfahrungen, Ängste usw.) und an Zukunft (Erwartungen, Hoffnungen) gezeigt.
 
Figur-Grund:
Dieses Prinzip bedeutet, das eine Figur - zum Beispiel ein Mensch - nicht losgelöst von ihrem Hintergrund zu betrachten und zu behandeln ist. Immer müssen wir in der Therapie die Lebensumstände des Klienten mit berücksichtigen.

 

Selbstheilungskräfte:
In jedem Menschen sind genügend Selbstheilungskräfte vorhanden. Das Problem besteht darin, dass manche Menschen den Kontakt zu ihnen verloren haben, oder dass diese Kräfte so stark durch negative Erfahrungen und Umwelteinflüsse überdeckt sind, dass der betreffende Mensch nicht mehr über diese Selbstheilungskräfte verfügen kann. Ziel der Therapie ist dann nicht, den Klienten >gesund< zu machen, sondern der Therapeut versucht, ihn wieder mit seinen eigenen positiven Kräften in Verbindung zu bringen. Dabei handelt es sich um einen Wachstumsprozess, der weitestgehend frei von Druck erfolgen soll. Perls sagte dazu: »Treibe den Fluss nicht, er strömt von selbst.«
 
Selbstverantwortung:
Anknüpfend an den zuvor genannten Punkt, gehen wir in der Gestalttherapie auch davon aus, dass jeder Mensch für seine Aktivitäten und Entscheidungen selbst verantwortlich ist. Nur dann kann er auch zu seinen eigenen Kräften finden und wieder gesunden. Dies geht nicht, indem er sich abhängig macht von anderen Menschen, die für ihn entscheiden.
 

Erfahrung und Bewusstein:

Um Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können und um seine eigenen Selbstheilungskräfte kennenzulernen, ist es notwendig, dass der Mensch sich seiner selbst und seiner Möglichkeiten bewusst ist. Um das entdecken zu können, bedarf es entsprechender Erfahrungen. Diesem Zweck dienen in der Gestalttherapie die >Experimente<, also Situationen, in denen man etwas über sich erfahren und neue Verhaltensweisen ausprobieren kann.
 

Kontakte:

Wesentlich für die menschliche Existenz ist der Kontakt mit sich selbst und mit anderen. Eine Grundbedingung für die Selbstwerdung ist der unabhängige Kontakt mit anderen Menschen. Ist dieser Kontakt gestört, entstehen verschiedene Arten von neurotischen Störungen. Dem können wir therapeutisch entgegenwirken, indem wir versuchen, den Kontakt echter zu gestalten und uns darauf einzulassen, das auszudrücken, was wir fühlen.


Selbstwahrnehmung und Selbstbedeutung:

Der Therapeut deutet nicht, was er bei dem Klienten wahrnimmt. Er ist mehr wie ein Spiegel. Er fragt den Klienten, was er bei sich wahrnimmt. Ob er das irgendwoher kennt, was ihm das sagt, was das für ihn bedeutet. Wenn der Therapeut ganz etwas anderes als der Klient von sich selbst wahrnimmt, teilt der Therapeut das selbstverständlich mit. Nicht mit dem Ziel, den Klienten zu überzeugen, sondern damit er sich damit auseinandersetzen kann. Der Therapeut versucht den Klienten zu verstehen, aber vor allem zu erreichen, dass er sich selbst verstehen kann. Das kann er nur, wenn er sich mit sich selbst beschäftigt und nicht mit den Deutungen, die der Therapeut ihm gibt. Der Therapeut sucht Mittel und Wege, womit er dem Klienten helfen kann, sich selbst zu entdecken. Er führt, indem er dem Klienten folgt.